Halbleiter-Pleiten in China Pleitewelle von Halbleiter-Herstellern in China – ein anhaltender Trend?

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Unruhige Zeiten: Die inländische Investitionsbegeisterung für die Halbleiterei der chinesischen Volksrepublik hat offenbar ihre Grenzen. Die Pleite des namhaften Unternehmens Shanghai Wusheng Semiconductor lässt Analysten befürchten, dass die Pleitewelle von 2020 im Halbleitersektor in China wieder an Fahrt gewinnt. Kann die Regierung gegensteuern?

Ohne Halbleiter geht in der modernen Elektronik nicht mehr viel. Trotzdem ist ein Halbleiter-Projekt kein Erfolgsgarant, insbesondere nicht in China.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Ohne Halbleiter geht in der modernen Elektronik nicht mehr viel. Trotzdem ist ein Halbleiter-Projekt kein Erfolgsgarant, insbesondere nicht in China.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Wird über die Halbleiterei gesprochen, dann meist darüber, dass unser modernes Leben ohne Chips aus Materialien, die zwischen elektrischen Leitern und Nichtleitern liegen, undenkbar ist. Kein modernes elektronisches Gerät würde ohne die Chips laufen, die in den vergangenen Jahrzehnten an Komplexität gewonnen und dafür an Größe verloren haben. Wenn man etwas von der Fertigung von Halbleitern versteht und außerdem einiges an Kapital im Rücken hat, dann sollte man meinen, dass man auf ein sicheres Pferd setzt.

Und die großen Konzerne, etwa der weltgrößte Auftragsfertiger TSMC, werden sich kaum Sorgen um die Finanzen machen müssen. Anders sieht es bei den kleinen Herstellern aus und scheinbar insbesondere bei Unternehmen, die in den vergangenen Jahren in China aus dem Boden gesprießt sind, wie Pilze nach einem lauen Herbstregen.

Denn der Markt ist hart umkämpft und die Investitionen in die für die Fertigung notwendige Technologie machen allem Anschein nach einer ganzen Reihe an Herstellern das Leben schwer. Wie die Reporter der China Times berichten, musste kürzlich das Unternehmen Shanghai Wusheng Semiconductor Konkurs anmelden, das sich auf die Entwicklung und Produktion von Leistungshalbleitern und Leistungsmodulen für die Bereiche Energie, Automobil und Industrie konzentriert hatte. Schwierigkeiten mit den Finanzen lassen sich allerdings auch an anderen Orten ablesen.

23 Unternehmen ziehen ihre Anmeldung zum Börsengang zurück

Allein im Jahr 2023 kam es dazu, dass 23 Unternehmen ihre IPO-Anmeldung für den Börsengang zurückgezogen haben. Es deutet sich an, dass eine Pleitewelle über den chinesischen Halbleitermarkt schwappt. Das ist indes nicht neu.

„Seit 2014, als Festland-China die Entwicklung der Halbleiterindustrie förderte und die US-Sanktionen gegen Huawei immer weiter verschärft wurden, ist man eifrig dabei, den Durchbruch zu schaffen. Hunderte Milliarden Yuan wurden in Industriesubventionen gesteckt, überall entstanden Halbleiterparks und zahllose Unternehmen drängten herbei, was eine ganze Bewegung auslöste“, schreibt die China Times. Allein im Jahr 2020 wurden über 50.000 Unternehmen angemeldet, die der Halbleiterei zugerechnet wurden. Im selben Jahr startete ebenfalls der Trend der unvollendeten Halbleiterprojekte.

Furcht vor der Pleitewelle

2021 mussten über 10.000 mit Chips verknüpfte Unternehmungen wieder abgewickelt werden, wie Anton Shilov von Tom's Hardware festhält. Knapp 6.000 waren es im Jahr 2022, fast 11.000 im Jahr 2023. Basierend auf diesen Erfahrungen und mit den Neuigkeiten von der Insolvenz Wusheng Semiconductors wird in der Volksrepublik befürchtet, dass die Pleitewelle, die vermeintlich gestoppt geglaubt war,wieder rollt.

„Mehrere hochkarätige Projekte sind gescheitert, darunter die Zusammenarbeit zwischen GlobalFoundries und Chengdu, die nicht zustande kam, und das Projekt Wuhan Hongxin, das als Betrug entlarvt wurde“, so Shilov. Auch die zurückgezogenen Börsengänge verdeutlichen, dass Investitionen in den chinesischen Halbleitermarkt derzeit eher vorsichtig beäugt werden.

„Es wird erwartet, dass die Verschärfung der IPO-Richtlinien im Jahr 2024 die Kapitalbeschaffung für unterqualifizierte Halbleiterunternehmen erschweren wird. Experten gehen davon aus, dass höhere Börsenzulassungsstandards dazu führen werden, dass mehr Unternehmen aufgrund finanzieller Herausforderungen und größerer Schwierigkeiten bei der Sicherung von Investitionen aus dem Markt ausscheiden werden“, so Shilov.

Ist Chinas Regierung unbeeindruckt – oder steuert sie aktiv gegen den Trend?

Nach den stetig erhobenen und erneuerten Sanktionen gegenüber nach China exportierten Produkten US-amerikanischer Hersteller legt es die chinesische Regierung weiterhin stark auf die Subventionierung der Halbleiter-Entwicklung und -produktion im eigenen Land an. Insbesondere deutlich wird das durch die Investitionen in den Big Fund, mit jüngst 43 Milliarden zur Verfügung gestellten Euro im Big Fund III für Halbleiterausrüster, und mit Initiativen wie der Verbannung von AMD- und Intel-CPUs aus Regierungsrechnern. Auch neue Regularien wie die Incentivierung des Einsatzes von einheimischen Produkten in E-Autos spielen in diese Strategien hinein.

Denn obwohl die USA jüngst die Importzölle für chinesische E-Autos angehoben und der Europäische Wirtschaftsraum im Rahmen der Antisubventionsuntersuchung der EU-Kommission mit einer Strafzollerhöhung gedroht hat, wächst der chinesische E-Auto-Markt weiter. Das Statistische Bundesamt Destatis vermeldet für 2023 129.800 Pkw mit reinem Elektroantrieb im Wert von 3,4 Milliarden Euro, die aus China nach Deutschland importiert wurden. Allein im ersten Quartal 2024 kamen 40,9 Prozent der von Deutschland importierten E-Autos aus China. Dieser Markt wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Und abseits der EU-Wirtschaftszone und der USA gibt es weitere lukrative Märkte für chinesische E-Fahrzeug-Hersteller, etwa Mittel- und Südamerika oder auch Indien. (sb)

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