Offshore-Parks im Wandel Windenergie als politisches Instrument

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

Die Windkraft wird immer mehr Gegenstand politischer Auseinandersetzungen und manchmal bläst der Streit so heftig, dass selbst Trumps berühmte Frisur ins Wanken geraten könnte. Kein Sturm, sondern ein handfester Machtkampf um Energie, Sicherheit und internationale Beziehungen.

Windkraft sollte grünen Strom erzeugen und nicht für politische Zwecke eingesetzt werden.(Bild:  frei lizenziert / Pexels)
Windkraft sollte grünen Strom erzeugen und nicht für politische Zwecke eingesetzt werden.
(Bild: frei lizenziert / Pexels)

In den USA hat Donald Trump kürzlich den fast fertiggestellten Offshore-Windpark „Revolution Wind“ abrupt gestoppt. Der dänische Konzern Ørsted hatte bereits den Großteil der Turbinen installiert, doch die Regierung legte das Projekt mit Verweis auf „nationale Sicherheitsbedenken“ auf Eis. Kritiker sehen darin weniger ein Sicherheitsproblem als vielmehr Trumps altbekannte Abneigung gegen Windräder, die er seit Jahren spöttisch kommentiert. Die Folge: Ørsted stürzte an der Börse ins Rekordtief (ein Minus von 17 Prozent), während die Gouverneure von Rhode Island und Connecticut empört reagierten und den Baustopp als politischen Affront einstuften. Hinter dem Konflikt steht auch die belastete Beziehung zwischen Trump und Dänemark, die schon eskalierte, als er das arktische Grönland kaufen wollte. Eine Episode, die in Kopenhagen bis heute Kopfschütteln auslöst.

Zugleich zeigt der Fall, wie Trump Politik betreibt: häufig weniger als klassischer Staatsmann, sondern in der Logik eines Unternehmers, der mit abrupten Entscheidungen Märkte beeinflusst. Der Baustopp reiht sich damit ein in eine Reihe von Maßnahmen, bei denen politische Instrumente als Hebel eingesetzt wurden, um wirtschaftliche Wirkung zu entfalten.

Politik auch in Deutschland?

Parallel dazu tobt in Deutschland eine andere, nicht minder brisante Debatte. Der Hamburger Investor Luxcara plante ursprünglich, für seinen Nordsee-Windpark Turbinen des chinesischen Herstellers Ming Yang einzusetzen. Doch spätestens seit sicherheitspolitische Gutachten vor möglichen Risiken durch chinesische Komponenten in kritischer Infrastruktur warnen, ist der Deal ins Wanken geraten. Befürchtet wird, dass Daten- und Kontrollsysteme der Anlagen im Krisenfall missbraucht werden könnten. Ein Szenario, das deutsche Militärstrategen ernst nehmen. Luxcara hat sich inzwischen Kapazitäten bei Siemens Gamesa gesichert. Ein Schritt, der nicht nur den politischen Druck mindert, sondern auch Synergien bei Beschaffung und Betrieb schaffen soll.

Beide Fälle zeigen: Windkraft ist längst nicht mehr nur eine Frage von Technik, Kosten und Klimazielen. Sie ist zum geopolitischen Spielball geworden. In den USA nutzt Trump den Windpark-Stopp, um seine energiepolitische Linie durchzusetzen und zugleich alte Rechnungen mit Dänemark zu begleichen. In Deutschland wiederum rücken Bedenken gegenüber China in den Vordergrund. Ein Ausdruck wachsender Skepsis gegenüber Abhängigkeiten in sensiblen Sektoren.

Nun auch als Roadmap

Passend dazu wurde im August 2025 wurde eine neue Resilienz‑Roadmap vorgestellt. Entwickelt im Schulterschluss zwischen dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie der europäischen Windindustrie. Sie reagiert gezielt auf die starke Abhängigkeit der Branche von chinesischen Lieferketten. Insbesondere in Bezug auf Permanentmagneten, die für Offshore‑Windturbinen und andere Schlüsselindustrien entscheidend sind. Perspektivisch sollen bereits bis 2030 mindestens 30 Prozent der benötigten Magnete aus alternativen, resilienteren Quellen stammen; bis 2035 steigt die Zielmarke auf 50 Prozent.

Diese Roadmap ist Teil der übergeordneten europäischen Rohstoffstrategie (CRMA) und des Net Zero Industry Act, und sie steht für eine neue, geopolitisch bewusste Industriepolitik. Sie bietet nicht nur der Windenergie­branche, sondern auch anderen Industrien eine Blaupause. Sie beinhaltet Instrumente wie Diversifizierung der Lieferländer, verstärktem Recycling und technologischen Innovationen. Ihr offensichtliches Ziel: die Energieversorgung sowie wertschöpfende Industrien krisenresistenter und planbarer zu gestalten.

Am Ende bleibt die Ironie, dass Windkraft eigentlich für saubere Energie und Zukunftstechnologien steht. Nun aber mitten in Machtspielen verstrickt ist. Der Wind, der einst als Symbol für Erneuerung galt, frischt zunehmend als politischer Sturm auf. Und wer weiß: Vielleicht ist Trumps Haar dabei das ehrlichste Barometer. (mr)

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