345 Megawatt Schneller natriumgekühlter Reaktor befindet sich im Bau

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 2 min Lesedauer

Das von Bill Gates unterstützte Projekt TerraPower geht in die nächste Phase. TerraPower plante ursprünglich, seinen ersten Reaktor in Zusammenarbeit mit China zu bauen. Allerdings führten verschärfte Handels- und Technologieeinschränkungen zwischen den USA und China dazu, dass diese Pläne aufgegeben werden mussten.

Anders als herkömmliche Atomkraftwerke nutzt der natriumgekühlte Reaktor Brennstäbe fast vollständig, was eine erneute Anreicherung überflüssig macht.(Bild:  frei lizenziert / Pexels)
Anders als herkömmliche Atomkraftwerke nutzt der natriumgekühlte Reaktor Brennstäbe fast vollständig, was eine erneute Anreicherung überflüssig macht.
(Bild: frei lizenziert / Pexels)

Die Bechtel Group, welche das größte Bau- und Anlagenbau-Unternehmen der USA ist, hat damit begonnen, einen Natriumreaktor zu bauen. Entwickelt wurde er von TerraPower. Der Reaktor setzt auf die Natrium-Technologie, welche im Vergleich zu herkömmlichen Kernreaktoren deutlich sicherer ist. Beispielsweise nutzt er anstelle von Wasser flüssiges Natrium als Kühlmittel, was die Sicherheit erhöht, und die Notwendigkeit großer, komplexer Sicherheitsstrukturen reduziert. Das besondere an dem Reaktor ist, dass er im Gegensatz zu herkömmlichen Kernreaktoren, welche zum Teil noch am Zeichenbrett entstanden, vollständig mittels modernster Konstruktions- und Simulationsmethoden entwickelt wurde.

Die US-amerikanische Atomaufsichtsbehörde hat nun den Bauantrag des Natriumreaktors genehmigt, was die erste Überprüfung eines kommerziellen fortschrittlichen Reaktordesigns durch die Behörde darstellt. Als Standort des neuen Reaktors wurde Kemmerer in Wyoming gewählt. In der Nähe eines stillgelegten Kohlekraftwerks entsteht hier das Mini-Atomkraftwerk, was später die vorhandene Infrastruktur des ehemaligen Kraftwerks nutzen wird.

Vorteile und Zukunftsperspektiven

Einer der größten Vorteile des Natriumreaktors ist seine Fähigkeit, mit anderen sauberen Energiequellen zu harmonieren und die Energieversorgung zu diversifizieren. Gerade Dunkelflauten könnten ein reines Stromnetz aus erneuerbaren Energien nämlich destabilisieren. Der Bau des Kraftwerks ist ein entscheidender Schritt in Richtung der Zielsetzung der USA, bis 2050 netto null Emissionen zu erreichen. Die Möglichkeit, kleinere, modulare Kernreaktoren zu bauen, und an Standorten mit vorhandener Infrastruktur einzusetzen ist hier ein wichtiger Schritt.

Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung nach Ländern weltweit in den Jahren 2021 und 2022.(Bild:  Statista)
Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung nach Ländern weltweit in den Jahren 2021 und 2022.
(Bild: Statista)

Der Natriumreaktor ist darauf ausgelegt, abgebrannte Brennelemente, welche als Abfallprodukte aus herkömmlichen Kernreaktoren stammen, effizient zu nutzen. Diese Technologie, auch bekannt als „Natriumgekühlter Schneller Reaktor“ (Sodium-Cooled Fast Reactor, SFR), hat das Potenzial, Kernbrennstoffe so zu verbrennen, dass weniger langlebiger radioaktiver Abfall entsteht und die Notwendigkeit einer Anreicherung des verbrauchter Brennstäbe entfällt.

Zusätzlich hat TerraPower von Anfang an auf eine enge Zusammenarbeit mit Bechtel gesetzt, um den gesamten Lebenszyklus des Projekts zu optimieren. Dies umfasst Planung, Bau und Betrieb, was zu einer erheblichen Reduzierung der Gesamtkosten führt.

Lokale Auswirkungen und Zusammenarbeit. Bechtel hat bereits in den 1960er Jahren das Kohlekraftwerk Naughton in Kemmerer gebaut.

Bill Gates ist ein entscheidender Unterstützer und Investor von TerraPower. Als Mitbegründer und maßgeblicher Finanzier treibt er das Projekt stark voran. Sein Engagement für innovative Technologien und nachhaltige Energiequellen spiegelt sich in seiner Vision für eine sauberere und sicherere Zukunft wider. Gates' Einfluss hat nicht nur die Entwicklung des Natriumreaktors ermöglicht, sondern auch dazu beigetragen, Partnerschaften und staatliche Unterstützung zu sichern, die für den Fortschritt und Erfolg solcher bahnbrechenden Projekte unerlässlich sind.

Die nächsten Jahre werden entscheidend sein, um die Effizienz und Sicherheit des Natriumreaktors unter Beweis zu stellen und weitere Investitionen und Unterstützung für fortschrittliche Kerntechnologien zu gewinnen. Der Bau des Reaktors soll voraussichtlich bis 2030 abgeschlossen sein.  (mr)

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