Northvolt beantragt Gläubigerschutz in den USA Rückschlag für Europas E-Mobilitätspläne

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Gläubigerschutz ist ein rechtlicher Mechanismus, der Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten ermöglicht sich vor ihren Gläubigern zu schützen. Dieser gibt Zeit für eine Restrukturierung oder Neuorganisation. Ziel ist es, eine Insolvenz abzuwenden. Nun hat Northvolt dies in den USA beantragt.

Ein herber Rückschlag war der Verlust eines 2-Milliarden-Dollar-Auftrags von BMW im Juni 2024.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Ein herber Rückschlag war der Verlust eines 2-Milliarden-Dollar-Auftrags von BMW im Juni 2024.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Der schwedische Batteriehersteller Northvolt hat Insolvenzschutz nach Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts beantragt. Dies geschah, nachdem das Unternehmen trotz intensiver Bemühungen nicht die nötigen finanziellen Mittel aufbringen konnte, um seinen Betrieb zu sichern. Die Summe der Schulden beläuft sich auf 5,84 Milliarden Dollar.

Einstiger Hoffnungsträger für Europas Batterieproduktion

Northvolt galt als Schlüsselprojekt für Europas Bestreben für eine unabhängige Lieferkette bei Elektrofahrzeugen. Die Hauptproduktionsstätte „Northvolt Ett“ in Skellefteå, nahe dem Polarkreis, wurde 2021 eröffnet und sollte Europas Vorzeigeprojekt für die grüne Transformation werden. Doch Lieferverzögerungen, Qualitätsprobleme sowie ein geschwächter Markt für Elektrofahrzeuge brachten das Unternehmen zunehmend in Bedrängnis.

Außerdem:

CEO Peter Carlsson tritt zurück

Nachdem das schwedische Unternehmen Gläubigerschutz beantragt hat, ist nun auch der CEO Peter Carlsson zurückgetreten. Er bleibt jedoch Mitglied des Aufsichtsrates und führender Berater der Firma.

Ein herber Rückschlag war die Kündigung eines 2-Milliarden-Dollar-Batterieauftrags durch BMW im Juni 2024. Gleichzeitig drückten asiatische Hersteller mit günstigeren Preisen auf den Markt. Der Umsatz brach ein, und das Unternehmen verzeichnete 2023 einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar.

Drastische Maßnahmen gegen die Krise

Um den drohenden Bankrott abzuwenden, leitete Northvolt im Herbst 2024 drastische Einsparmaßnahmen ein. Die Belegschaft wurde um ein Viertel reduziert, Expansionen wurden gestoppt. Sogar der CEO der Hauptfabrik wurde ausgetauscht. Dennoch reichten diese Maßnahmen nicht aus, um den Betrieb langfristig zu sichern. Laut Gerichtsunterlagen verfügte Northvolt zuletzt nur noch über 30 Millionen Dollar an liquiden Mitteln.

Um eine mögliche Rettung zu ermöglichen, suchte Northvolt in den letzten Wochen intensiv nach Investoren. Es wurden Verhandlungen über ein Rettungspaket in Höhe von mehr als 300 Millionen Dollar geführt, doch eine Einigung blieb aus. Schließlich sah sich das Unternehmen gezwungen, Insolvenzschutz zu beantragen, um Zeit für die Restrukturierung zu gewinnen.

Zukunft unter Chapter 11

Die Insolvenz nach Chapter 11 ermöglicht es Northvolt, während des Umstrukturierungsprozesses weiterzubestehen. Die Hauptfabrik in Schweden wird ihren Betrieb fortsetzen, und auch Löhne und Gehälter der rund 6.400 Beschäftigten sollen weitergezahlt werden. Zur Stabilisierung der Finanzen hat Northvolt Zugang zu rund 145 Millionen Dollar an Bargeldreserven. Zudem erhält das Unternehmen Unterstützung von Scania, einer Tochter von Volkswagen, die 100 Millionen Dollar zur Verfügung stellt.

Während die schwedische Regierung eine direkte finanzielle Unterstützung ablehnt, betonte sie, dass sie weiterhin hinter der Entwicklung einer nachhaltigen Batterieindustrie steht. Auch die deutsche Regierung signalisiert ihre Bereitschaft, den Dialog mit Northvolt und anderen Stakeholdern aufrechtzuerhalten. Northvolt sucht nun nach strategischen Investoren, um die finanzielle Situation zu stabilisieren und langfristig tragfähige Lösungen zu finden. Trotz der massiven Herausforderungen glaubt Northvolt an eine mögliche Wende.  (mr)

(ID:50246506)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung