Stellenabbau an zehn Standorten Nach Vitesco-Verschmelzung setzt Schaeffler den Rotstift an

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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15 Standorte in Europa, davon allein 10 in Deutschland, sind von einem Maßnahmenprogramm für Einsparungen von Schaeffler betroffen. Mit Stellenstreichungen wurde nach der erfolgreichen Vitesco-Verschmelzung gerechnet; die Neuigkeiten sind natürlich dennoch nicht erfreulich.

Schaeffler plant nach erfolgreicher Vitesco-Verschmelzung Sparmaßnahmen.(Bild:  Schaeffler)
Schaeffler plant nach erfolgreicher Vitesco-Verschmelzung Sparmaßnahmen.
(Bild: Schaeffler)

Nach der erfolgreich abgeschlossenen Verschmelzung des Autozulieferers Schaeffler und des Antriebsstrang-Spezialisten Vitesco war weithin damit gerechnet worden, dass Stellen abgebaut werden würden, um Redundanzen aus der Welt zu schaffen. Doch auch wenn man mit einer Umstrukturierung rechnet, bedeutet das automatisch, dass das die offiziellen Ankündigungen weniger bitter macht.

Von der Geschäftsführung von Schaeffler wurde jetzt bekannt gegeben, welche Maßnahmen bezüglich Einsparungspotenziale im Unternehmen ergriffen werden sollen. Ein sogenannter Handlungsstrang befasst sich mit dem Bereich Bearings & Industrial Solutions, der in der Schaeffler-Gruppe aktuell von der Konjunkturschwäche, strukturellen Problemen und einer hohen Wettbewerbsintensität am meisten betroffen ist. Bearings & Industrial Solutions stellt vornehmlich Wälzlagerlösungen her; das Werk in Schweinfurt war bereits von Kurzarbeitsarrangements betroffen gewesen.

Weitere Einsparpotenziale werden bei Schaeffler in der Schaffung von Synergien mit den vormaligen Vitesco-Unternehmensteilen erwartet, und das bedeutet auch, dass Stellen abgebaut werden. Weitere Maßnahmen betreffen die Schaeffler-Bereiche Powertrain & Chassis sowie E-Mobility. Was heißt das im Detail?

Stellenabbau in Deutschland und Europa

Betroffen von den Einsparungsmaßnahmen sind 15 Standorte in Europa, 10 davon befinden sich in Deutschland. Knapp 4.000 Stellen sollen abgebaut werden. Die Verantwortlichen von Schaeffler bezeichnen das als „4.700 Stellen im Bruttoabbau, 3.700 Stellen im Nettoabbau aufgrund von Verlagerungen“. Fakt ist, dass in Deutschland allein 2.800 Arbeitsplätze entfallen, was wiederum nach dem Zusammenschluss mit Vitesco etwa 3,1 Prozent der Gesamtbelegschaft entspricht. Klingt nach wenig, aber 2.800 eingesparte Arbeitsplätze bleiben 2.800 eingesparte Arbeitsplätze. Von den Abbaumaßnahmen sind insgesamt zehn deutsche Standorte betroffen.

Fünf weitere Standorte in Europa müssen ebenfalls Federn lassen, zwei von ihnen werden komplett geschlossen. Details dazu soll es erst bis Ende des Jahres 2024 geben. Die Maßnahmen selbst sollen im Zeitraum zwischen 2025 und 2027 umgesetzt werden.

Bearings & Industrial Solutions

Sowohl der Standort in Schweinfurt als auch der in Homburg werden von Konsolidierungsaktivitäten, Kapazitätsanpassungen und Verlagerungen betroffen sein, sowie vom Abbau von Stellen in Zentralbereichen in der Administration.

„Am Standort Homburg entstehen im Werk der Sparte Bearings & Industrial Solutions Komponenten für Antriebssysteme, Führungen und mechatronische Systemlösungen aus dem Bereich der Lineartechnik. Für den Bereich Lineartechnik findet durch die Verlagerung der Aktivitäten eine Konsolidierung statt, bedingt durch die anhaltend schwache Nachfrage im Sektor Industrial Automation. Die Maßnahme führt zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit und Kosteneffizienz im Bereich Lineartechnik. Die beiden anderen Produktionswerke am Standort Homburg sind von der Verlagerung nicht betroffen“, erklärt Schaeffler.

„Das Stammwerk der Sparte Bearings & Industrial Solutions am Standort Schweinfurt wird zudem die Produktion und Mitarbeitenden des ehemaligen Ewellix-Werks im Schweinfurter Hafen aufnehmen, das zirka fünf Kilometer entfernt liegt. Im Zuge der Integration von Ewellix in die Schaeffler Gruppe wird zudem außerhalb Europas der ehemalige Ewellix-Standort Taoyuan geschlossen.“ Das Werk in Hameln, in dem Planetengetriebe für Industrieroboter hergestellt werden, wird aufgegeben. 2022 wurde hier die Melior Motion GmbH von Schaeffler übernommen. Genaue Pläne für den Standort in Steinhagen sind bislang nicht bekannt.

Powertrain & Chassis, E-Mobility

Regensburg wird künftig der Sitz des Bereichs Powertrain Solutions sein, während in Herzogenaurach, im Hauptsitz von Schaeffler, die neue Sparte E-Mobility untergebracht wird. An beiden Standorten führt das im Ergebnis zum Abbau von etwa 600 Stellen insgesamt.

Gleichzeitig werden die Standorte Herzogenaurach, Schwalbach und Regensburg von Restrukturierungsmaßnahmen im Bereich Powertrain & Chassis betroffen sein. Selbes gilt für E-Mobility hinsichtlich der Orte Regensburg, Nürnberg und Berlin. Der Kostendruck aus dem Ausland sei zu hoch, während sich positive Erwartungen hinsichtlich der OEMs nicht erfüllt haben. (sb)

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