LeistungshalbleiterJapan fürchtet um führende Rolle als Chiphersteller
Von
Henrik Bork
Mit Firmen wie Rohm, Denso, Toshiba, Mitsubishi Electric, Fuji Electric und Renesas ist Japan in Summe Marktführer als Lieferant von Leistungshalbleitern. Doch diese Führungsrolle droht dem Land zu entgleiten, befürchtet Rohm-CEO Isao Matsumoto. Ein Grund: China.
Der fortschreitende Klimawandel sorgt dafür, das zum Beispiel die Nachfrage nach Anlagen für die nachhaltige Stromerzeugung und Elektromobilität enorm steigt. Und damit auch die nach hocheffizienten Leistungshalbleitern. Japan ist hier traditionell stark aufgestellt.
Es ist selten, dass der CEO eines japanischen Chipherstellers so klare Worte findet. „Das überraschend schnelle Aufholen” Chinas bei den Power-Halbleitern sei eine große Herausforderung für Japan, sagt Isao Matsumoto, der CEO von Rohm, in einem Interview mit der chinesischen Ausgabe der Zeitschrift Nihon Keizai Shimbun.
Japan war früher das globale Powerhouse für Chips schlechthin. Doch nach und nach hatte das Land Marktanteile an andere Hersteller verloren, etwa in Südkorea und Taiwan.
Heute spielt Japans Chipindustrie global gesehen eine eher untergeordnete Rolle. Nur ein Segment ist eine positive Ausnahme: Leistungshalbleiter beziehungsweise Power-ICs/-chips. Da ist Japan mit einem globalen Marktanteil von rund 30 Prozent noch immer führend. Genau in diesem Bereich aber blasen nun die Chinesen zum Großangriff.
„China holt überraschend schnell auf“
„China unternimmt eine nationale Anstrengung, um diese Entwicklung zu beschleunigen, und es holt mit überraschendem Tempo auf,“ sagt Isao Matsumoto von Rohm im Gespräch mit der Wirtschaftszeitschrift. An mehreren Standorten in der Volksrepublik seien in jüngster Zeit neue Fabriken für hocheffiziente Wafer mit großem Durchmesser entstanden, so der CEO von Rohm.
Rohm ist einer der größten Produzenten von Leitungshalbleitern weltweit. Laut einem aktuellen Bericht der Marktforschungs-Agentur Omdia rangiert das Unternehmen nach Umsatz auf Platz 10. Dass man sich in dieser Position Sorgen um die Zukunft der heimischen Industrie macht, zeigt wie sehr sich dieser Markt im Umbruch befindet.
Leistungshalbleiter steuern und schalten relativ hohe Ströme und Spannungen in den verschiedensten Anwendungen der Leistungselektronik. Weder Fabrikroboter, noch Datenzentren oder Klimaanlagen funktionieren ohne Powerchips.
Nachfrage nach Leistungshalbleitern steigt rasant
Der weltweite Kampf gegen den Klimawandel lässt den Bedarf nach Leistungshalbleitern noch einmal exponentiell wachsen, denn sie werden zum Beispiel in großer Zahl in E-Autos und Anwendungen zum Erzeugen und Speichern erneuerbarer Energien gebraucht. „Sie sind unverzichtbare Bauelemente für die globale Transformation weg von fossilen Brennstoffen“, zitiert Nihon Keizai Shimbun Professor Hideki Wakabayashi von der „Tokyo University of Science“.
Paradoxerweise ist Japans Rolle als Marktführer bei der Produktion von Powerchips also gerade in dem Moment gefährdet, in dem dieser Markt weltweit explodiert. Von 2020 bis 2021 ist Japans Markanteil bereits um 1,2 Prozent zurückgegangen.
Es ist eine Industrie, in der Größe zählt. Der deutsche Powerchip-Riese Infineon hat es in den vergangenen Jahren geschafft, seine Produktion erfolgreich zu skalieren und belegt in Rangliste der global wichtigsten Unternehmen im Bereich Powerchips momentan unangefochten den ersten Platz.
Infineon hat so viel Marktanteil wie die fünf größten japanischen IC-Hersteller
2021 hielt Infineon ganz allein einen globalen Marktanteil für Power-Halbleiter von 21 Prozent. Das war in etwa so viel wie die fünf größten japanischen Hersteller, Rohm inklusive, zusammen gerechnet in die Waagschale werfen können.
Japans relative Schwäche ist die Verteilung seiner Produktionskapazitäten von Powerchips auf mehrere relativ kleine Unternehmen („klein” im Vergleich zu Infineon oder ON Semiconductor, der globalen Nummer Zwei). Matsumoto von Rohm formuliert es so: „In einem rapide expandierenden Markt ist der Marktanteil eine sehr wichtige Quelle der Popularität.”
Investitionen in Siliziumkarbid sollen die Wende bringen
Rohms Antwort auf die Aufholjagd der Chinesen und den Erfolg von Infineon sind daher große Investitionen in die neueste Generation von Siliziumkarbid (SiC)- Powerchips. Unter anderem wegen der schnell wachsenden Popularität von E-Autos in China steigt die Nachfrage nach IGBTs und Power-MOSFETS zurzeit besonders schnell.
„Unser Unternehmen wird ein neues Fabrikgebäude in der Präfektur Fukuoka errichten, wo ab 2022 so früh wie möglich produziert werden soll, und wir zielen auf einen globalen Marktanteil von 30 Prozent bei Siliziumkarbid-Leistungshalbleitern bis zum Fiskaljahr 2025 (März 2026)“, sagt Matsumoto von Rohm in dem Interview.
Stand: 08.12.2025
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Auch andere investieren in SiC
Das ist eine ambitionierte Ansage, insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch mehrere andere Hersteller in Japan diese Strategie der verstärkten Fokussierung auf die Nische, in der man ohnehin schon stark ist, für sich entdeckt haben. Sie liegt auch nahe.
Renesas investiert gerade 90 Milliarden Yen (rund 570 Millionen Euro) in neue Produktionskapazitäten für IGBTs und Power-MOSFETS in Kofu, mit dem Ziel, die jeweiligen Kapazitäten des Unternehmens zu verdoppeln.
Toshiba Devices and Storage investiert 100 Milliarden Yen in neue Produktionslinien für SiC und GaN in Ishikawa. Mitsubishi Electric hat angekündigt, bis 2025 insgesamt 130 Milliarden Yen im Segment der Power-Halbleiter zu investieren. Und Fuji Electric nimmt 120 Milliarden Yen in die Hand, um die Herstellung von SiC-Powerchips in Goshogawara in der Präfektur Aomori im Norden Japans zu beschleunigen.
Rohm hat den Ruf eines SiC-Pioniers
Unter den Gründen, warum Rohm all diese Konkurrenz wohl nicht fürchtet, ist sein Ruf als Pionier für SiC-Chips. Die Firma hat 2010 den weltweit ersten SiC-Transistor gebaut. Unter den potenziellen Großkunden in China hat unter anderem Geely entschieden, SiC-Power-Halbleiter von Rohm zu benutzen.
Doch in einer Zeit, in der sich China mit aller Macht ebenfalls auf die Nische der Powerchips wirft, gelten alte Errungenschaften leider immer weniger. Erneut redet der Rohm-CEO Klartext: „Unsere Firma hat schon vor 20 Jahren mit der Kyoto-Universität kooperiert, um SiC-Materialien zu erforschen und wir haben relevante Technologien akkumuliert. Doch wenn wir nicht weiterhin führend sein können, dann könnte sich das Blatt wenden.“ (me)