Stromversorgungen bei Events 70.000 Besucher, drei Bühnen und keine Steckdose

Aktualisiert am 05.04.2024 Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 2 min Lesedauer

Der Frühling steht in den Startlöchern. Somit wird bald die Festival-Saison eingeläutet. Doch wie versorgt man eigentlich ein Open-Air-Gelände mit Strom? Da Festivals oftmals auf landwirtschaftlichen Flächen stattfinden, gibt es hier keine einfache „Steckdose“ zur Versorgung des Events.

Auf der Pro Light and Sound in Frankfurt am Main wurden auch 2024 die neusten Trends der Veranstaltungsbranche vorgestellt.(Bild:  VCG – Michael Richter)
Auf der Pro Light and Sound in Frankfurt am Main wurden auch 2024 die neusten Trends der Veranstaltungsbranche vorgestellt.
(Bild: VCG – Michael Richter)

Für ein Festival-Wochenende fallen in der Regel zwischen 120.000 und 450.000 Kilowattstunden an Strom an. Um eine zuverlässige Stromversorgung für Veranstaltungen zu gewährleisten, bei denen keine ausreichende oder keine stationäre Stromversorgung zur Verfügung steht, werden Generatoren eingesetzt. Diese Generatoren müssen so ausgelegt werden, dass sie die Lastspitzen abdecken können. Das bedeutet, sie müssen in der Lage sein, auch die höchste Stromnachfrage zu bedienen.

Bei Veranstaltungen kann der Energiebedarf stark schwanken. Wird die Ton- oder Lichttechnik hochgefahren, steigt der Bedarf für die Show enorm an. Durch Effekte wie Blitzlichter oft nur für Millisekunden. Um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können, muss ein Generator diese Lastspitzen abdecken können. Schafft er dies nicht, kommt es zum Stromausfall.

Schallisolierte Generatoren ermöglichen einen bühnennahen Einsatz.(Bild:  VCG – Michael Richter)
Schallisolierte Generatoren ermöglichen einen bühnennahen Einsatz.
(Bild: VCG – Michael Richter)

Generatoren besitzen eine gewisse Trägheit, was bedeutet, dass sie eine kurze Zeit benötigen, um ihre Ausgangsleistung zu erhöhen oder zu verringern. Der Diesel-Motor im Generator benötigt nämlich etwas Zeit um den Lastpunkt zu erreichen. Dies kann besonders problematisch sein, wenn eine sehr schnelle Reaktion auf Lastspitzen erforderlich ist. Um diese Problematik zu mindern, werden Generatoren oft überdimensioniert und über dem benötigtem Bedarf betrieben. Dies kann zu ineffizientem Betrieb und höheren Betriebskosten führen. Größere Generatoren arbeiten in der Regel weniger effizient im Teillast-Bereich. Außerdem benötigen sie mehr Kraftstoff, da mehr Strom erzeugt, als benötigt wird. Natürlich können diese gepuffert werden, allerdings auch wieder nur durch hohe Kosten für Pufferbatterien oder ähnlichem.

Grüner Strom auf der Wiese

Da Veranstaltungen immer nachhaltiger werden sollen, gibt es natürlich Überlegungen, wie dies geschehen kann. Durch verbesserte Abgassysteme ist der Schadstoffausstoß bereits erheblich reduziert. Außerdem ist durch Schallisolation so ein Generator mit 46 dB(A) kaum lauter als eine Geschirrspülmaschine. Und das bei bis zu 300 kVA.

Aber geht es noch grüner?

Mit etwas mehr als 2 kWh ist die Batteriekapazität schon ausreichend um ein paar hundert Leute mehrere Stunden mit Musik zu versorgen.(Bild:  VCG – Michael Richter)
Mit etwas mehr als 2 kWh ist die Batteriekapazität schon ausreichend um ein paar hundert Leute mehrere Stunden mit Musik zu versorgen.
(Bild: VCG – Michael Richter)

Da das Ende von Verbrennungsmotoren immer wieder zur Diskussion steht, ist natürlich auch fraglich, ob dann in Zukunft auch ein Verbot von Generatoren kommt. Einige Bands wie zum Beispiel Coldplay setzen bei ihrer aktuellen Tour bereits Batterien ein, welche vorher in Kraftfahrzeugen im Einsatz waren. Außerdem werden Biokraftstoffe aus erneuerbaren Quellen genutzt.

Dieser Trend wird natürlich auch von Herstellern verfolgt. So gibt es jetzt bereits Batteriesysteme, welche speziell für den unterbrechungsfreien Einsatz konzipiert wurden. Diese können Lastspitzen, welche über dem Fünffachen der Nennleistung liegen, ohne Probleme abdecken. Das ist sehr effizient, da keine unnötige Energie erzeugt werden muss. An Lösungen für größere Veranstaltungen wird bereits gearbeitet.

Jetzt bleibt nur noch die Frage, wann die Technologie auch für den Festival-Einsatz bereit ist und genügend Energie liefert um die enormen Massen mit Sound und Licht zu begeistern.  (mr)

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