Marktanalyse Niedervolt-Antriebe in Zeiten von Corona und Chip-Mangel

Redakteur: Gerd Kucera

Wie ist die gegenwärtige Situation des Marktes von Niederspannungsantrieben zu bewerten und was erwartet die Hersteller sowie Abnehmer? Blake Griffin ist Senior Analyst beim britischen Marktforscher Interact Analysis und stellt seine neue Studie vor. Nachfolgend seine Zusammenfassung.

Blake Griffin: Der Senior Analyst bei Interact Analysis skizziert seine Studie zum Markt für Niederspannungsantriebe und nennt Gründe für das Verhalten des Marktes.
Blake Griffin: Der Senior Analyst bei Interact Analysis skizziert seine Studie zum Markt für Niederspannungsantriebe und nennt Gründe für das Verhalten des Marktes.
(Bild: Interact Analysis)

Das Marktvolumen erlitt 2020 weltweit einen erheblichen Umsatzrückgang von 8,9%. Trotzdem waren die Auswirkungen der Pandemie ungleich verteilt und trafen einige Regionen viel härter als andere. Hierbei ist die Entwicklung des Marktes für Niederspannungsantriebe ist eng mit der Gesamtproduktion des verarbeitenden Gewerbes weltweit verbunden. In „gewöhnlichen“ Wirtschaftskrisen erlebt das verarbeitende Gewerbe in der Regel einen starken Rückgang, gefolgt von einem kräftigen Aufschwung, bevor es zu einem Plateau kommt. Die COVID-19-Krise ist jedoch ganz anders verlaufen. Die schleppende Einführung von Impfstoffen, der Mangel an Arbeitskräften und die Unterbrechung der Lieferkette haben dazu geführt, dass sich das verarbeitende Gewerbe und damit auch der Niedervolt-Antriebssektor viel langsamer erholen, als man erwarten konnte. Der Asien-Pazifik-Raum (APAC) hat die Situation 2020 vergleichsweise gut überstanden, während die Regionen Amerika und EMEA einen erheblichen Umsatzrückgang erlebten. Das erklärt die prognostizierte stetige, aber langsame Erholung.

Der Absatz in der EMEA-Region

Die EMEA-Region war mit einem Absatzrückgang um 17,8% am stärksten betroffen, während der US-Kontinent minus 11,9% hinnehmen musste. In der APAC-Region gab es ein bescheidenes Umsatzwachstum von 1,1%, das auf Chinas Wirtschaft zurückzuführen ist, da es wider Erwarten gelang, das Wachstum aufrechtzuerhalten.

Infolgedessen gewannen Antriebhersteller, die den APAC-Markt bedienen, globale Zugewinne in der Größenordnung 1%, 0,5% bzw. 0,3% auf Kosten jener Herstellern, die in dieser Region weniger stark vertreten sind. Es ist jedoch anzumerken, dass nicht alle Anbieter, die in der APAC-Region stark vertreten sind, gut abschnitten. Siemens etwa, der zweitgrößte Anbieter von Antrieben in dieser Region, musste einen Umsatzrückgang von 0,5% hinnehmen, was darauf zurückzuführen ist, dass sein größter Markt für Antriebe Deutschland ist. Und dieser Markt erlebte während der Pandemie einen ernsthaften Einbruch in der Produktion, insbesondere im Automobilbau. Trotz des starken Absatzrückgangs in einigen wichtigen Regionen im Jahr 2020 wird von den Interact-Analysten erwartet, dass die Weltumsätze für Niederspannungsantriebe bis 2022 wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht. Für den Zeitraum bis 2025 prognostizieren wir ein globales Marktwachstum von 4,8% CAGR.

Kennzeichen des Jahres 2021

In der ersten Jahreshälfte 2021 war ein deutlicher Anstieg des Auftragsvolumens zu verzeichnen – in einigen Fällen bis 30%. Die meisten Aufträge waren aber für die zweite Jahreshälfte bestimmt, was darauf hindeutet, dass ein erheblicher Lageraufbau stattfand. Dies ließ erwarten, dass sich der hohe Auftragseingang in der zweiten Jahreshälfte abflacht. Interact Analysis erwartet für 2021 einen Anstieg des weltweiten Absatzes um insgesamt 7,7%, was ziemlich genau unserer Prognose für das weltweite verarbeitende Gewerbe insgesamt entspricht, wobei allerdings zu beachten ist, dass es auf dem Antriebsmarkt wichtige Abnehmer gibt, die außerhalb des Rahmens unserer breiteren Untersuchung des verarbeitenden Gewerbes liegen. Das betrifft z.B. die Bergbauindustrie.

Die Rückkehr zum Preisverfall

Auf dem Antriebsmarkt gibt einen steten Preisrückgang in der Größenordnung von 1% bis 2% pro Jahr. Daran hat sich der Markt gewöhnt, was auf den harten Wettbewerb in diesem Sektor und darauf zurückzuführen ist, dass die Abnehmer in China, einem der größten Märkte, eine Vorliebe für weniger funktionale aber kostengünstigere Antriebe haben. Der unerbittliche Preisdruck in China hat sich auf den gesamten Weltmarkt ausgewirkt. Im Zeitraum 2019 bis 2020 stagnierten die Preise; 2021 folgte ein Preisanstieg, sodass das globale Preisniveau um fast 2,5% zulegte. Diese Verteuerung ist in der Halbleiter-Verknappung begründet und wird wohl auf diesem Niveau bleiben. Wir gehen nicht davon aus, dass sich der Halbleitermarkt vor der zweiten Jahreshälfte 2022 oder sogar erst 2023 normalisiert. Und es gibt noch zwei weitere Preistreiber: die Verknappung anderer Rohstoffe und die höheren Transportkosten. Infolgedessen wird der allmähliche Preisverfall, an den sich der Markt gewöhnt hat, frühestens im Jahr 2024 wieder einsetzen.

Wollen Sie mit dem Verfasser der Stude über den Markt für Niederspannungsantriebe diskutieren, dann wenden Sie sich direkt an Blake Griffin: Blake.Griffin@InteractAnalysis.com.

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