Richtig kaputtgehen: Frag den Schulz! +++ Akkudoktor: Bidirektionales Laden bei E-Autos +++ Kompensation ohne Umlöten testenLeistungselektronik
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Liebe Leserin, lieber Leser,

in etwa einem Monat findet die PCIM Europe in Nürnberg statt. Noch nehme ich gerne Vorschläge für bequeme Laufschuhe an, denn 41.500 m² müssen erstmal abgelaufen werden. In diesem Jahr freue ich mich am meisten auf die wertschätzenden Kontakte, die sich mittlerweile in der Branche entwickelt haben.

Was mich aber zunehmend stört: Vieles wirkt inzwischen erstaunlich ähnlich. Natürlich präsentiert jeder den schnelleren, effizienteren oder leistungsdichteren Chip. Die nächste Generation. Noch weniger Verluste. Noch höhere Schaltfrequenzen. Und technisch ist das oft beeindruckend. Aber manchmal frage ich mich, wo der Mut geblieben ist, wirklich ungewöhnliche Wege zu gehen.

Die Branche optimiert derzeit mit enormer Konsequenz – Packaging, Kühlung, Gate-Treiber, Topologien, Materialien. Doch echte Überraschungen sind selten geworden. Viele Entwicklungen wirken wie evolutionäre Schritte entlang derselben Roadmap. Sicherer. Berechenbarer. Investitionsfreundlicher. Aber eben auch austauschbarer.

Vielleicht liegt das daran, dass die Anforderungen immer härter werden. Automotive-Qualifizierung, Zuverlässigkeit, Kosten, Lieferfähigkeit und regulatorischer Druck lassen wenig Raum für Experimente. Niemand möchte auf einer Messe mit einer Idee stehen, die spektakulär aussieht, aber keinen belastbaren Business-Case besitzt.

Trotzdem wünsche ich mir manchmal wieder mehr Technik, bei der man kurz stehen bleibt und denkt: „Das ist verrückt – aber interessant.“ Konzepte, die nicht nur ein paar Prozentpunkte Wirkungsgrad herausholen, sondern Denkweisen infrage stellen. Mehr Mut zu ungewöhnlichen Architekturen, neuen Integrationsideen oder Ansätzen, die zunächst vielleicht sogar unbequem wirken.

Denn genau dafür sind Messen wie die PCIM eigentlich da: nicht nur, um den aktuellen Stand der Technik zu zeigen, sondern auch, um einen Blick auf das zu werfen, was als Nächstes möglich sein könnte. Ich möchte mich noch einmal wie als Kind auf der Modellbau-Messe in Sinsheim fühlen.

Herzlichst, Ihr
Michael Richter
Redakteur
 
 
Frag den Schulz!

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